Gesamtwerk

Alexander Trinko *1955 „Annäherungen an B-Quadrat 2000“ für 2 Klaviere
UA 2000 Toküfe
Annäherungen an B-Quadrat 2000 sollen im Bach-Jahr 2000 an Bach und Beethoven erinnern. Trinko legt seinem Werk zwei Fugen von Bach (G-Dur und d-Moll) und ein rhythmisches Motiv von Beethoven zugrunde. Alles wird polyphon verzahnt, wobei die Klangmöglichkeiten zweier Klaviere genutzt werden.

Alexander Trinko *1955
"Herbstliche Träume“ UA 2003 Liederzyklus für Frauenstimme und Streichorchester nach Gedichten von Hermann Hesse Herbstgeruch Traum
Traurigkeit
Weil ich dich liebe
Im Nebel

Die Komposition Herbstliche Träume entstand 1997, wurde bisher aber nicht aufgeführt. Die Stimmung der Gedichte war Inspirationsquelle für das Werk, das eine gewisse Melancholie ausstrahlt und durch eine schwebende Tonalität charakterisiert ist. Es ist nicht mit traditionell funktionsmäßigen Mitteln komponiert. So finden sich z.B. zahlreiche Quinten und Nonenakkorde ohne Auflösung. Teilweise sind impressionistische Züge erkennbar. Nr. 4 „Weil ich dich liebe“ hebt sich durch helle Farbklänge (Dur-Klänge) sowie einen Dreier-Rhythmus gegenüber den anderen im Vierer-Rhythmus stehenden Stücken und ein schnelles Tempo - ein Furioso - ab.
HERBSTGERUCH Herrmann Hesse

Wieder hat ein Sommer uns verlassen,
Starb dahin in einem Spätgewitter.
Regen rauscht geduldig, und im nassen
Walde duftet es so bang und bitter.

Herbstzeitlose starrt im Grase bläßlich
Und der Pilze wucherndes Gedränge.
Unser Tal, noch gestern unermeßlich
Weit und licht, verhüllt sich und wird enge.

Enge wird und duftet bang und bitter
Diese Welt, dem Lichte abgewendet.
Rüsten wir uns auf das Spätgewitter,
Das des Lebens Sommertraum beendet!

TRAUM
Es ist immer derselbe Traum:
Ein rotblühender Kastanienbaum,
Ein Garten, voll von Sommerflor,
Einsam ein altes Haus davor.

Dort wo der stille Garten liegt,
Hat meine Mutter mich gewiegt;
Vielleicht - es ist so lange her -
Steht Garten, Haus und Baum nicht mehr.

Vielleicht ist jetzt ein Wiesenweg
Und Pflug und Egge drüber weg,
Von Heimat, Garten, Haus und Baum
Ist nichts geblieben als mein Traum.

TRAURIGKEIT
Die mir noch gestern glühten,
Sind heut dem Tod geweiht,
Blüten fallen um Blüten
Vom Baum der Traurigkeit.

Ich sehe sie fallen,
Fallen wie Schnee auf meinen Pfad,
Die Schritte nicht mehr hallen,
Das lange Schweigen naht.

Der Himmel hat nicht die Sterne,
Das Herz nicht die Liebe mehr,
Es schweigt die graue Ferne,
Die Welt ward alt und leer.



Wer kann sein Herz behüten
In dieser bösen Zeit?
Es fallen Blüten um Blüten
Vom Baum der Traurigkeit.

WEIL ICH DICH LIEBE
Weil ich dich liebe,
bin ich des Nachts so wild und flüsternd zu dir gekommen.
Und daß du mich nimmer vergessen kannst
hab ich deine Seele mit mir genommen.
Sie ist nun bei mir und gehört mir ganz
im Guten und auch im Bösen.
Von meiner wilden brennenden Liebe
kann dich kein Engel erlösen.

IM NEBEL
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allem ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

Die Klaviersonate Nr. 2 ist sehr virtuos und benötigt viel Kraft vom Spieler. Sie ist dreisätzig nach der klassischen Sonatenform aufgebaut. Auffällig sind Jazzeffekte, Motorik und atonale Stellen ohne Konturen. Der erste Satz, der im heutigen Konzert nicht erklingt, hat ein Hauptthema, das sich langsam bis zur Ekstase aufbaut und wieder und wieder erklingt. Der zweite Satz, als Zwischensatz zu sehen, steht im 3/4Takt und ist nach einleitenden chromatischen Läufen über zwei Oktaven durch starke Achtelbewegungen geprägt. Er klingt zuweilen im pianissimo und es hat den Anschein, als ob der Hörer hypnotisiert werden solle. Sein Mittelteil ist virtuoser und endet mit Glissandi. Der dritte Satz bildet den Höhepunkt des Werkes und korrespondiert mit dem ersten Satz.
Die Klaviersonate assoziiert Kompositionen von Skrjabin, der sich Anfang des 20. Jahrhunderts immer intensiver mit philosophischen und mystischen Ideen auseinander setzte. Einer der Aspekte des Symbolismus, der die Künstler im Russland jener Tage beschäftigte, war ein fast religiöser Mystizismus. Vaterfigur war der Philosoph und Dichter Wladimir Solowjow, dessen apokalyptische Schriften und andere Werke die Künstler verschiedener Genres beeinflussten. Die philosophischen Richtungen Apokalytismus, Sensualismus und Promethianismus resultierten daraus und wurden von Skrjabin in ihrer kosmopolitischen Form repräsentiert.

Alexander Trinko sagte selber:

„Skrjabin hatte keinen Boden, er schwebte in Materie. Ich will mit ganzer Kraft im 3. Satz Skrjabins Werk verlassen. Bei mir ist es eine andere - eine irdische Ekstase. Die Angst, diese Welt zu verlieren, ist ein langer Prozess. Der Schluss des Werkes ist irdisch und man ist aus dem Chaos zurück.“

Alexander Trinko *1955
Marsch der Narren UA 2000
Walzer der Narren UA 2000
Klavier: Jochen Köhler

Marsch der Narren und Walzer der Narren sind zwei Stücke, die thematisch miteinander verwandt sind. Beide assoziieren Schostakowitsch und auch Prokofjew, deren Kompositionsweise Trinko in seinen Stil integriert hat. Der Marsch ist mit kontrapunktischen Mitteln gestaltet. Die Narren sind selbständige "Personen", die einerseits einzeln, andererseits aber auch gemeinsam "marschieren". Mit einem einstimmigen markanten Thema (erster Narr) beginnt der Marsch, das Zweite folgt. Immer neue Schattierungen und starke Chromatik charakterisieren das Marschieren. Der Walzer verarbeitet das gleiche thematische Material im 6/8Tanz. Ungewöhnliche Sprünge, "narrenhafte Wendungen" und Ironie kennzeichnen den Walzertanz der Narren in der ihnen zugewiesenen Rolle.