Die Stadt - TestMusikFest

"Zurechtufinden in einer postmodernen Situation, stete Suche nach einem küsntlerischem Ausdruck, der vor allem Ehrlichkeit dem Zuhörer einschließt, Versuche über Emotionalität in Tönen, manchmal auch sehr viel traurige Betroffenheit - vielleihct kann ich so das umreißen, was meine Harmonien trägt. Ich glaube, man muss vor allem eine gut durchdachte Sicht über die Welt haben, wenn man sich anstellt, mitten in ihr lebend für andere etwas zu schreiben. Darum bemühe ich mich." (Thomas Bucholz)

Diese Worte, ausgesprochen und niedergelegt im zeitlichen Umfeld der uraufführung von Orplid: kein Ort - nirgendwo vor sechs Jahren, stehen unverändert für Thomas Bucholz´ künstlerisches Credo. Künstlerischer Isolation entgegen zu wirken, Wirkung für Zukünftiges zu erzeugen und den Dialog zwischen und Künstlern und Publikum zu befruchten - das sind für den 1961 im thüringischen Eisenach geborenen Komponisten Buchholz die entscheidenden Triebkräfte seiner Arbeit. Nach dem Studium an der Leipziger Musikhochschule (Komposition, Operngesang und Musikpädagogik) ging er bis 1991 als Meisterschüler von Ruth Zechlin an der Berliner Akademie der Künste und arbeitete zugleich als Assistent für Musiktheorie an der Martin- Luther- Universität Halle. Kompositionskurse führten ihn unter anderem zu Rudolf Kelterborn, Witold Lutoslawski und John Cage. Seit 1999 hat er eine Professur für Komposition inne. Er ist Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen- Anahlt Deutscher Komposnisten, künstlerischer Leiter der hallischen Musiktage und Fachberater Musik für die BIP-Kreativitätsschulen. Werke von Thomas Buchholz wurden und werden in vielen Ländern Europas, in den USA und Japan von namhaften Solisten Ensembles aufgeführt.
Hintergund für den Kompositionsauftrag des neuen Werkes Die Stadt war neben der 1200-Jahr-Feier der Stadt Halle auch die Fusion der beiden großen Halleschen Orchester. Die durch die Vereinigung mögliche gewordene große Besetzung (zu der noch Chor, Orgel und elektronische Klänge hinzukommen) fand ihren Niederschlag in der Komposition, die dem langjährigen Präsidenten des Landesmusikrates und Direkter des Händel-Hauses Halle, Dr. Erwin Werner, gewidmet ist.
Über die spezifisch musikalische Werkidee schreibt Thomas Buchholz:
"Die Gestalt des halleschen Straßenmusikanten Reinhold Lohse (1878-1964) im Spannungsfeld seiner Zeit und darüber hinaus im Gegenüber des musikalisch starken tradierten Umfeldes der Stadt Halle kann angesichts der erlebbaren Gegenwart eine erneute Bestätigung finden. Assoziationen über die Bedeutung des Musikalischen in einer fast überschaubaren Fülle des Angebots prägen Werkstruktur und Idee. [...]
Die Komposition besteht aus zwei Teilen, die ineinander übergehen und nicht deutlcih voneinander zu trennen sind. [...] Nach der Eröffnung durch die Fellinstrumente im ersten Teil im ersten Teil ist ein repetitives Pulsieren zu erleben, das durch rhythmisch-metrische Überlagerungen in den einzelnen Instrumentengruppen das lebendige Bewegen einer Großstadt symbolisiert, während im zweiten Teil durch melodisch zerbrechlich wirkende Strukturen ein lyrisches Element in die bis dahin archaische Komposition eindringt. Erst danach wird, fast aus einer andreen Welt eindringend, Spiel und Gesang von Zither-Reinhold zu erahnen sein, gespielt von seiner stets verstimmten Zither. Die Rolle des Chores ist auf Vokalisen beschränkt [...] Die menschliche Stimme verschmilzt mit dem Klang der Instrumente zu einem Ganzen. Auch die Orgel ist nicht Solinstrument, wie es der "Königin der Instrumente" vielleicht zukäme, sondern ganz Teil des instrumentalen Apparats. Das Zuspiel einer mit synthetischen Klängen gebauten Ebene über verteilte Lautsprecher füllt den Raum mit Klang von urtümlicher Wirkung, ohne jemals daominant zu erscheinen. Die im Raum verteilten Trommeln gemahnen an eine Zeit, in der ihr Klang noch von den die Stadt durchziehenden Landsknechten erfüllt war" (Gerhard Löbling)